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„Musterbeispiel der Zusammenarbeit“ - Landrat lobt Gemeinschaftsprojekt zum Schutz des Kiebitzes

08.06.2022

„Musterbeispiel der Zusammenarbeit“ - Landrat lobt Gemeinschaftsprojekt zum Schutz des Kiebitzes

Dingolfing-Landau. In dem Projekt „Gemeinsam dem Kiebitz helfen“ arbeiten die Kreisgruppen des Bayerischen Bauernverbandes, des Bund Naturschutz, des Landesbundes für Vogelschutz und des Landschaftspflegeverbandes eng zusammen, um dem stark gefährdeten Kiebitz im Landkreis mehr geschützte Brutmöglichkeiten auf Wiesen und Feldern zu schaffen. Landrat Werner Bumeder und Landtagsabgeordnete Dr. Petra Loibl informierten sich bei einem Gespräch mit den Vertretern aller Gruppen und Verbände über konkrete Ziele und erste Erfolge. 

Im Landkreis Dingolfing-Landau brüten jährlich 600 bis 700 Kiebitzpaare. Das sind knapp 30 Prozent der bayerischen Kiebitze, was nicht nur eine Besonderheit ist, sondern zeitgleich für unseren Landkreis eine hohe Verantwortung für den Schutz dieser Offenlandart mit sich bringt. 

Bayern- und deutschlandweit sind die Kiebitzbestände stark rückläufig. Auch in unserem Landkreis ist dieser Negativtrend zu beobachten. So gibt es beispielsweise im Vilstal und Aitrachtal fast keine Kiebitze mehr. Umso mehr zählen aus Sicht der Projektpartner nun die gemeinsamen Bemühungen, zusammen mit den örtlichen Landwirten dem Kiebitz die Möglichkeit zu geben, seine Jungen auf den Wiesen und Feldern großzuziehen. 

Im Projekt „Gemeinsam dem Kiebitz helfen“ haben sich die Kreisgruppen des Bayerischen Bauernverbandes, des Bund Naturschutz, des Landesbundes für Vogelschutz und des Landschaftspflegeverbandes zusammengeschlossen. Unterstützt wird das Projekt durch die Untere Naturschutzbehörde am Landratsamt, die Höhere Naturschutzbehörde der Regierung sowie das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten. Im Vordergrund steht die Entflechtung der Brutzeitüberschneidung mit der Bewirtschaftung durch entsprechende Vereinbarungen über verlängerte Bewirtschaftungsruhen. Für diese Verzögerung der Ackerbewirtschaftung können Landwirte Fördergelder beantragen. 

Anfang März erhielten viele Landwirte ein persönliches Anschreiben für das Projekt und die Rückmeldungen und Anfragen ließen nicht lange auf sich warten. Bis zum Ende der Meldefrist am 20. April wurden Anträge für 53 Ackerflächen gestellt, aber auch das allgemeine Interesse am Projekt war sehr hoch. So meldeten sich viele interessierte Landwirte, die zwar bei der Bewirtschaftungsruhe nicht mitmachen konnten, aber sich trotzdem sehr interessiert und aufgeschlossen zeigten und wichtige Infos und Anregungen aus ihrer Praxis mitteilten. 

Insgesamt nahmen in diesem Jahr 31 Landwirte mit 53 Ackerflächen am Projekt teil, wobei auf einer Gesamtfläche von knapp 120 Hektar Maßnahmen zur Bewirtschaftungsruhe abgeschlossen wurden. Rund 100 Hektar werden dabei bis einschließlich 31. April und 18,5 Hektar bis einschließlich 19. Mai nicht bewirtschaftet. Auf knapp 1,5 Hektarn belassen die Landwirte Kiebitzmulden, die bis zum 30. Juni ruhen. 

Darüber hinaus sind seit März freiwillige Helfer des Bund Naturschutz im Gelände unterwegs, um Kiebitzbruten festzustellen und gegebenenfalls die Nester auszustecken. So wurden auch viele Landwirte über Kiebitzbruten informiert, die nicht auf Vertragsflächen stattfinden. Die Bewirtschafter waren einverstanden, die Nester ausstecken zu lassen und waren bereit, den Nestbereich bei der Ackerbewirtschaftung großzügig zu umfahren. Andere Landwirte hoben die Nester mit Hilfe einer Schaufel zur Seite und legten sie nach der Arbeit auf dem Feld wieder an Ort und Stelle ab. 

Bis zum Ende der Brutzeit wird nach den Kiebitzen und seinen Jungen geschaut, um den Erfolg der Maßnahmen abzuschätzen. Dadurch will man neben der direkten Hilfe für den Kiebitz und der Verbesserung des Bruterfolges auch weitere Erkenntnisse über diese Vogelart sammeln, um so zukünftig noch gezieltere Schutzmaßnahmen zu ergreifen. 

Dass es nämlich rund um den Kiebitz noch viel zu erforschen gibt, darin waren sich alle Beteiligten beim Gespräch mit Landrat Werner Bumeder und MdL Dr. Petra Loibl einig. Mit einer Verkürzung der Bewirtschaftungs-Ruhezeiten könnte man möglicherweise noch viel mehr Landwirte motivieren, sich dem Projekt anzuschließen – und damit noch mehr Küken retten. 

„Jedenfalls ist dieses Gemeinschaftsprojekt ein Musterbeispiel der erfolgreichen Zusammenarbeit von Verbänden, Organisationen und Landwirten“, lobte Landrat Werner Bumeder die Anstrengungen aller Beteiligten. MdL Dr. Petra Loibl fragte, inwieweit der Kiebitz von der geplanten Wiedervernässung des Königsauer Mooses profitieren wird. Klare Antwort: Auch hier sind positive Effekte für den gefährdeten Kiebitz zu erwarten, denn auch dieser Vogel liebt Wasser und mag es schön feucht.