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Eichenprozessionsspinner unterwegs

08.07.2022

Erster Befall im Landkreis gemeldet – Baum umgehend abgesaugt

Dingolfing-Landau. Kürzlich haben umsichtige Bürger an einer Eiche bei Hagenau den Befall mit dem Eichenprozessionsspinner im Rathaus gemeldet. Die Gemeindeverwaltung zog Kreisfachberater Andreas Kinateder vom Landratsamt zur Bestimmung der Raupen um hinzu. Während unsere Nachbarlandkreise den Schädling schon länger im öffentlichen Raum zu verzeichnen haben, ist dies nun auch in Dingolfing-Landau der erste Fall. Insgesamt ist Niederbayern verhältnismäßig wenig Betroffen von der Raupe und besonders in unserem Landkreis gab es noch keine offiziellen Meldungen wie auch die Forstabteilung des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Landau bestätigte und umgehend die umliegenden Wälder sichtete.

Der Eichenprozessionsspinner kommt häufig in Südosteuropa vor, lebt hier ausschließlich an Eichen, die einzeln oder in lichten Beständen stehen. In großen Abständen von zehn bis 20 Jahren kann es je nach Witterung auch hier zu einem Massenauftreten kommen. Die Raupen sind zu Beginn ihres Lebens gelblich-braun, mit zunehmenden Alter verfärben sie sich jedoch graublau mit einer schwarzen Linie entlang des Rückens und knopfartigem schwarzem Kopf. Sie können bis zu fünf Zentimeter groß werden, dabei ist ihr Körper vollständig mit Brennhaaren bedeckt.

Die Brennhaare können beim Kontakt mit Menschen langwierige Hautausschläge verursachen. In seltenen Fällen können auch Reizungen der Augen oder der Bronchien auftreten. Von daher kann beim Kontakt mit dem Eichenprozessionsspinner selbst eine gesundheitliche Gefahr, insbesondere im Umfeld von Kindergärten und Spielplätzen, ausgehen, die eine Bekämpfung rechtfertigen und erforderlich machen. Gefährdet sind auch Personen in der Grünpflege im Bereich von Eichen an Straßen oder im Forst wenn z.B. ausgemäht wird und man Kontakt mit Raupen oder (abgefallenen) Nestern hat.

Die im Frühjahr schlüpfenden Raupen bilden bis handballgroße, unauffällige Nester an dickeren Stämmen, von denen sie in Reih und Glied in die Kronen „prozessieren“, um die Blätter der Eichen abzufressen. Neben den Raupen sind besonders die Nester problematisch, weil sich darin viele Raupen und deren Raupenhüllen befinden und die Brennhaare über recht lange Zeit aktiv sein können. Nach einigen Wochen verpuppen sie sich in den Nestern, um im Sommer als Falter zu schlüpfen.

Nachdem die erste im Landkreis betroffene Eiche direkt im Ortsbereich zwischen einer Straße und einem Betrieb steht, entschied sich die Gemeinde zur Beseitigung, um die Gefahr abzuwenden. Die zwölf Nester wurden aus dem Hubsteiger heraus mit voller Schutzmontur durch eine Fachfirma abgesaugt. Zusätzlich werden die Nester mit den alten Raupenhüllen entfernt.

Die Eichenprozessionsspinnerraupen werden stark von natürlichen Feinden aus der Insektenwelt dezimiert. Eine Alternative wäre das Ansiedeln von Meisen und Rotkehlchen oder Nistkästen in befallenen Gebieten. Nachdem es sich um eine in Deutschland heimische Raupe handelt, gibt es keine Bekämpfungspflicht und keine Meldepflicht. Sollten man als Bürger Eichenbesitzer sein und Fragen oder einen Befallsverdacht haben, kann man sich im Landratsamt bei Andreas Kinateder melden. Forstbesitzer melden sich beim zuständigen Förster.