Landratsamt Dingolfing-Landau Landratsamt Dingolfing-Landau
Bürgerservice

Zweiter Offener Brief von Landrat Heinrich Trapp

22.03.2020

Gemeinsam durch die Krise

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

in wachsender Sorge wende ich mich heute erneut an Sie. Unser privates, unser berufliches, unser gesamtes öffentliches Leben ist „auf Sparflamme gesetzt“. Es wird keine schnelle Entwarnung geben können. Ob die getroffenen Maßnahmen greifen, wird sich frühestens Mitte April zeigen. Gegenwärtig spitzt sich die Lage im Landkreis weiter zu. Die „große Welle“ hat uns noch nicht erreicht. Wir wollen sie abschwächen. Aber ob uns das gelingt, hängt vom Verhalten jedes einzelnen ab.

Ich muss heute leider noch einmal auf Selbstverständlichkeiten hinweisen, nicht weil ich das gerne mache, sondern weil ein kleiner Teil der Bevölkerung wohl meint, die Regeln gelten nur für andere, nicht für sie.

Hier ein Beispiel: Wie verantwortungslos  ist doch jemand, der positiv getestet ist, dann noch zur Bank geht, dort herumhustet und erzählt, er brauche noch Geld, weil er jetzt 14 Tage in Quarantäne muss!

Jeder von uns kann Virusträger schon sein oder noch werden, ohne sich krank zu fühlen. Das Fatale ist, man kann andere mit unkalkulierbaren Folgen  anstecken. Der zweite oder dritte in der Kette kann –ohne dass sich einer von ihnen krank fühlt – das Virus weiterverbreiten. Für ältere Menschen und Risikopatienten, insbesondere für Krebskranke bedeutet dies Lebensgefahr. Fatal ist es auch, wenn Bedienstete in Krankenhäusern oder Pflegeeinrichtungen infiziert werden.  Selbst wenn sie keine Krankheitssymptome verspüren, kann dies Lebensgefahr für alle betreuten Menschen bedeuten.

Ich bitte Sie inständig: Gefährden Sie nicht durch leichtfertiges Verhalten das Leben anderer. Die Spaßgesellschaft hat Pause.  Jedes Leben muss uns wichtig sein. Wir müssen doch alles versuchen, dass uns dieses Virus nicht liebe Menschen nimmt. Jeder hat Eltern, Großeltern, Ehepartner, Partner, Geschwister, Kinder, Freunde, die wir nicht frühzeitig verlieren wollen – nur weil es einigen Unvernünftigen an Selbstdisziplin fehlt.

Zum Positiven: Ganz herzlich möchte ich allen danken, die jetzt in Nachbarschaftshilfe Einkäufe oder Botengänge für Menschen übernehmen, die ihre Wohnung nicht mehr verlassen können. Sportvereine und junge Menschen haben hier eine Vorreiterrolle übernommen.

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

wir müssen immer eine gewisse Zeit vorausdenken. Ich ersuche deshalb alle ausgebildeten Pflegekräfte, die aus privaten Gründen ihren Beruf nicht mehr ausüben, sich für Notfallpläne zu melden. Man müsse Vorkehrungen für Notbesetzungen treffen, wenn Personal in der Seniorenbetreuung und -pflege krankheitsbedingt ausfallen sollte.

Interessenten werden gebeten, sich im Landratsbüro (08731 87-115 bzw. -116) oder bei der Freiwilligenagentur (Tel. 08731 3247133, info@fwa-dingolfing-landau.de) zu melden.

Mehrere hundert Anrufe erreichen täglich das Landratsamt. Für medizinische Fragen  nach Testungen ist die Gesundheitsabteilung zuständig, die auch die Kontaktpersonen ermitteln muss. Nicht immer ist eine schnelle Antwort möglich, vor allem dann, wenn Laborergebnisse noch nicht vorliegen. Dies kann bei Testungen des ärztlichen Bereitschaftsdienstes mehrere Tage dauern, wenn keine Infektion vorliegt.

Ganz unterschiedlich sind die Fragen am Bürgertelefon. Erfreulich ist dort der Umgangston. Fast alle Anrufer sind freundlich und sehr oft auch dankbar. Ab Montag werden wir die Leitungen des Bürgertelefons verdoppeln. Gegenwärtig leisten dort Sozialpädagoginnen Dienst. Ich werde sie in der kommenden Woche sukzessive durch Lehrkräfte ersetzen, weil die Sozialpädagoginnen verstärkt bei Familien gefordert sind, wenn es zu Konflikten bei der Umgangsregelung  kommt  oder wo es zu aggressiv zugeht, wenn die Familie länger auf engem Raum miteinander auskommen muss.

Ausgangsbegrenzung heißt nicht Ausgangssperre. Sie dürfen die Wohnung verlassen, aber bitte bilden Sie keine Gruppen und halten Sie Abstand. Sie können zum Arzt, zum Einkaufen, zum Geldautomaten oder zum Briefkasten gehen. Das ist in diesen Tagen wegen der Stichwahl in Dingolfing, Landau,  Mengkofen, Mamming und Wallersdorf sogar ein wichtiger Gang. Wie wichtig ein funktionierendes Rathaus ist, zeigt sich gerade in Krisenzeiten.

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

Krisenzeiten sind auch Zeiten, in denen Gauner schnell zu Geld kommen wollen. Mehrfach erhielten getestete Personen „gefakte“ Anrufe - angeblich vom Gesundheitsamt – mit der Aufforderung, ihre Wohnung  desinfizieren zu lassen. Gleichzeitig wurde angeboten, dies zu einem Spezialpreis zu erledigen. Ich weiß nicht, ob viele darauf eingegangen sind. Wer den Schaden hat ….. Legen Sie bei einem solchen Anruf auf oder informieren Sie die Polizei!

Die Zahl der positiv Getesteten im Landkreis ist seit Freitag von 22 auf 36 gestiegen. In den Nachbarlandkreisen liegen schwer Erkrankte in Isolierstationen. Einige kämpfen mit dem Leben. Tatsache ist, dass schwere Fälle ohne Beatmungsgeräte weniger Chancen haben. Je mehr Menschen sich an die Ratschläge und Vorschriften halten, desto weniger Intensivplätze werden gebraucht. Es kommt auf jeden von uns an. Es kommt auf Sie an!

Das Landratsamt ist zur Einsatzzentrale für den Katastrophenfall geworden. Tausend Dinge sind zu klären und zu organisieren. Ab Montag werden uns fünf zusätzliche Kräfte,  u.a. zwei Bundeswehrsoldaten  (Sanitäter) zugeteilt, die an einer mobilen Teststation eingesetzt werden sollen, die wir kommende Woche einrichten wollen.

Ich danke allen Mitgliedern im Stab unter der Leitung von Frau Regierungsdirektorin Elisabeth Fischer und ihrem Stellvertreter Ulrich Schüll, sowie den Bediensteten der Gesundheitsabteilung mit Medizinaldirektor Dr. Peter Ziegler.

Ich danke allen, die in der Kommunal- und Staatsverwaltung Aufgaben übernommen haben, insbesondere den Bürgermeistern, die in ihren Verantwortungsbereichen vor neuen und wichtigen Aufgaben stehen.

Mein besonderer Dank – und hier spreche ich sicher in Ihrer aller Namen – gilt den Bediensteten im Gesundheitswesen: in den Krankenhäusern, den Arztpraxen, den Alten- und Pflegeheimen, den Apotheken, den Rettungsdiensten sowie bei den ambulanten Diensten.

Ohne den vorbildlichen Einsatz so vieler in Schlüsselberufen käme das öffentliche Leben zum Erliegen. Wir alle haben zu danken, insbesondere:

Verkäuferinnen und Kassiererinnen, Regalbefüllern, Handwerkern, Mitarbeitern bei Polizei, Post, Banken, Bahn und Verkehrsbetrieben, Müllmännern und den vielen Menschen in logistischen Berufen.

Wir haben noch schwierige Zeiten vor uns. Wir brauchen Geduld und vieles wird uns nerven. Aber nur, wenn wir diese Herausforderung gemeinsam annehmen, werden wir sie auch bestehen.

Ich danke Ihnen für Ihr Verständnis. Bleiben Sie gesund.

Ihr
Heinrich Trapp

Landrat